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Herzlich willkommen

ANgeDACHT

Unsere Zeit

‚Ach, früher, zu meiner Zeit, da war alles noch besser: Die Jugend war höflich und freundlich, die Menschen friedfertiger und Arbeit und Pflichtbewusstsein waren noch Werte, die was galten.‘
Wenn jemand so anfängt, dann wissen wir, dass gleich darauf die Klage kommt. Über die Zustände jetzt und hier und dazu die Prophezeiung, dass alles noch viel schlimmer kommen wird.

Aber stimmt das wirklich?

Auch die Kirche neigt gerne zu dieser Perspektive. Angeblich gab es früher keine leeren Kirchen, das Geld hat immer gereicht, Nachwuchsmangel war ein Fremdwort und unhinterfragt war man einfach eine Autorität. Stimmt das wirklich?
Über die Schlechtigkeit der Jugend wird seit Jahrtausenden geklagt. Und schon seit Jahrhunderten klagen die Pfarrer über den Unglauben ihrer Schäfchen. Herzhaft lachten musste ich, als ich das erste Mal den Satz von Karl Valentin las: ‚Die Zukunft war früher auch besser!‘ Augenzwinkernd weist Valentin darauf hin, dass die Zukunft von früher doch die Gegenwart von heute ist.

Vor 500 Jahren nahm die Reformation ihren Anfang. Martin Luther und viele andere Reformatoren waren voller Leidenschaft, Mut und Energie, die frohe Botschaft von der Liebe Gottes wieder zum Vorschein zu bringen. Gute alte Zeiten, ja. Aber auch der Beginn der Kirchenspaltung und erbarmungsloser Glaubenskämpfe. Doch wer hätte gedacht, dass wir heute, im Jahr 2017, die Anliegen der Reformation in solch intensiver ökumenischer Freundschaft erinnern, wie wir es gegenwärtig erleben?

Nein, früher war nicht alles besser. Sich erinnern heißt:
Das Gute und das Schlechte anzuschauen, das Misslungene anzunehmen und sich des Gelungenen zu freuen. Ehrliche Erinnerung lässt die Gegenwart wahrnehmen und öffnet den Blick für die Zukunft. So wächst aus Erinnerung Dankbarkeit und aus Dankbarkeit Hoffnung. Solche Hoffnung brauchen wir; für unser eigenes Leben und für die Zukunft unserer Gemeinden. Nur mit der Kraft der Hoffnung können wir unser Leben und unsere Kirche gestalten. Denn 500 Jahre hin oder her – die letzte Antwort auf die Fragen der Reformation haben wir noch lange nicht: Wie kann
unser Glaube in unserer Kirche und Welt Gestalt gewinnen?
Heute, zu unserer Zeit!

Ihr Pfarrer Edzard Everts