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500 Jahre Reformation


Oktober 2016 - März 2017


Weil zusammengehört, was verschieden ist.
Vortragsreihe der Ökumene-Initiative '500 Jahre Reformation' von Oktober 2016 - März 2017 in Ebersberg und Kirchseeon


Alle Informationen zur Vortragsreihe von Oktober 2016 - März 2017 in Ebersberg und Kirchseeon


Herzlich willkommen

ANgeDACHT


Bild

FLEISCH & BLUT

Mein Sohn liebt Bücher. Wenn wir abends vor dem Schlafengehen gemeinsam ein Buch anschauen, dann zeigt er manchmal mittendrin auf ein Bild und sagt: „Mama, der Mensch da ist aber nicht echt. Der ist nur gemalt, oder?“ – Je nachdem, ob es um einen gemeinen Dieb oder um einen tollen Feuerwehrmann geht, ist mein Sohn darüber erleichtert oder traurig. Auf jeden Fall hat er mit seinen vier Jahren verstanden: Es macht einen großen Unterschied, ob ich mir ein Bild anschaue oder ob ein Mensch aus Fleisch und Blut vor mir steht.

Daran musste ich denken, als ich bei der Langen Nacht der Bibel am 14. Oktober in unsere Kirche kam. Da lief eine eindrucksvolle Lichtinstallation – und mittendrin standen die Worte:
FLEISCH & BLUT.

Wenn einer aus Fleisch und Blut ist, dann lebt er. Dann kann ich ihm begegnen. Dann kann ich ihn kennenlernen mit seinen Licht- und Schattenseiten. Ich kann mit ihm reden, mit ihm etwas erleben und ihn berühren. Ich kann mich auch mit ihm auseinandersetzen, mit ihm streiten und mit ihm Frieden schließen.

Mit einer Figur aus Buch oder Film geht all das nicht. Die kann ich vielleicht anhimmeln und bewundern – schließlich haben solche Figuren oft keine Fehler und Macken, sondern sind immer gut gelaunt und freundlich, verlieren nie den Mut und haben ständig tolle Ideen. Da kann ein Mensch aus Fleisch und Blut, ein Mensch mit all seinen Ecken und Kanten einfach nicht mithalten.

Letztlich aber bleiben diese Figuren blutleer. Eine lebendige Beziehung kann ich mit ihnen nicht aufbauen. Dafür brauche ich echte Menschen – Menschen, die mir zum Gegenüber werden können. So ein Mensch war Jesus. Er war kein abgehobener Halbgott, sondern ein Mensch aus Fleisch und Blut, dem man begegnen konnte, mit dem man reden und schweigen, streiten und sich reiben, lachen und weinen konnte – einer, durch den die Menschen damals spüren konnten: Da ist einer für uns da, zum Greifen nah.

Solche Menschen aus Fleisch und Blut sind auch wir, sollen auch wir sein – Menschen, die für andere greifbar und ansprechbar sind – Menschen, die sich berühren lassen von dem, was andere bewegt – Menschen, die einfach menschlich sind.

Deshalb: „Mach ́s wie Gott, werde Mensch!“ – in der Advents- und Weihnachtszeit und genauso an jedem Tag des neuen Jahres 2017.

Ihre Pfarrerin Renate Zorn-Traving